Ritterschlag
Aufstieg in die Bundesliga der Weingüter
Der Durbacher Winzer Alexander Danner setzt beim
Weinmachen auf eine ganz eigene Philosophie.
DURBACH. Alexander Danner ist der erste Winzer aus der Ortenau, der in die "Winzerelite" des Feinkostunternehmens Dallmayr aufgenommen wurde. "Für mich ist das ein Superding", freut sich der 34-Jährige, der den erlesenen Zirkel als "Bundesliga der Weingüter" bezeichnet. Für den Weineinkäufer des Münchner
Traditionsbetriebs, Olaf Höntsch, zählt Danner zu den "viel versprechendsten Neuentdeckungen in Deutschland".
Seit 2003 verkostet das Dallmayr-Team Jahr für Jahr Weine in Deutschland sowie Österreich und nimmt diejenigen Weingüter in die "Winzerelite" auf, deren "Potenzial und Qualitätsanspruch" ins hauseigene Sortiment passen. In diesem Jahr zählen 16 Weingüter aus der Alpenrepublik und 20 aus deutschen Landen zur Riege. "Persönlichkeit und Idee" hätten ihn bei Alexander Danner besonders überzeugt, erklärt Höntsch. Für den Durbacher Winzermeister ein Kompliment, das er gerne hört – und das ihn in seiner Philosophie bestätigt. "Meine Weine sind untypisch", erklärt Danner, der mit seiner Frau Sonja und den Kindern Selina, Laura und Elias in einem 250 Jahre alten Haus an der Straße Richtung Bottenau wohnt. Hier lagern die Fässer, hier finden auch Weinproben statt. Vielleicht haben ihn ja die alten Gemäuer
auf den Geschmack gebracht. Landwirtschaft wurde bei den Danners schon immer groß geschrieben, auch der Weinbau spielte eine wichtige Rolle. Doch während der Großvater und der Vater die
Trauben in die Winzergenossenschaft gebracht haben, macht der Sohn seinen eigenen Wein: "Ich habe mir einen Traum verwirklicht." Das Weingut DZ, das früher unter "Danner-Zöllin" firmierte, gibt es seit 2006. Drei Hektar werden mittlerweile bewirtschaftet, hinzu kommen vier weitere Hektar, deren Ertrag Danner allerdings nicht selbst keltert. Noch nicht: Wenn sich die Qualität weiter herumspricht, dürften die 20 000 Liter eigenen Weins bald nicht mehr ausreichen, um die Nachfrage zu efriedigen.
Was macht Danner anders? Er habe mit alten Winzern gesprochen und Weine probiert, die 30 bis 40 Jahre alt waren. Früher habe man sich mehr Zeit gelassen, hat Danner herausgefunden, was dem Fördermitglied von "Slow Food" so recht ins Konzept passt. "Meine Weine brauchen ein Jahr länger." Der Nährboden der Rebberge wird mit Mikroorganismen behandelt, einem biologischen System, das aus Japan stammt. Die Substanz fermentiert Danner selbst, 5000 Liter pro Jahr. Der ausgelaugte und verarmte Boden werde auf diese Weise regeneriert, die Rebstöcke erhalten ihr intaktes Immunsystem zurück und sind weniger anfällig für Schädlinge.
Aus Asien stammt auch das Wort, das nicht nur Danner mit seinen Weinen in Verbindung bringt: "umami". Damit wird allgemeines Wohlbefinden bezeichnet als eine der Grundqualitäten des Geschmacksinns, die über die übliche Einteilung in süß, sauer, salzig und bitter hinausweist. Mag auch in der Wissenschaft noch der Beweis dafür fehlen: Diese Ganzheitlichkeit will Danner mit seinen Weinen erreichen.
Nicht Frucht und Süße, sondern Tiefe und Gefühl sind für ihn die entscheidenden Kriterien. Besonders großen Wert legt er darauf, nichts zu manipulieren oder zu ändern. Seine Weine klassifiziert er schlicht nach ihrer Ausbauform als Typ 1 (Edelstahltank), Typ 2
(großes Eichenfass) und Typ 3 (Barrique). Es gibt Riesling, Grauburgunder, Chardonnay, Pinot Noir – und als besonderen Roséwein den "Exot". Als solchen lässt sich auch Alexander Danner bezeichnen. Kein Wunder, dass er es bei hiesigen Qualitätsweinprüfungen schwer hat, wie er selbst einräumt. Aber spätestens seit die frohe Botschaft aus München ihn erreicht hat, weiß er, dass er auf einem richtigen Weg ist.
Autor: Gertrude Siefke Bericht Badische Zeitung vom 25.03.2010